Stayhome: Brennnesseln können so lecker sein!

Über all den ganzen Nachrichten, die da täglich auf uns einprasseln und der Ungewissheit darüber, wie es jetzt wohl weiter gehen wird, könnte man glatt vergessen, das der Frühling da draußen bereits in vollem Gange ist und sich aktuell von seiner besten Seite zeigt. Gerade finde ich nichts schöner, als durch Wald und Flur zu streifen (natürlich immer schön mit Abstand zu allen andern Menschen außer denen, die mit mir zusammen wohnen) und den Pflanzen beim wachsen und blühen zuzuschauen. Dabei kann ich allerdings nicht verhindern, dass immer wieder leckere Pflänzchen in meinem Sammelkorb landen, um Zuhause den Speiseplan zu bereichern. Denn gerade im Frühling sehnt sich mein Körper nach frischem Grün, Vitaminen und mal was anderem als den Karotten, Kartoffeln und sonstigen Wurzelgemüsen, die es im Winter so reichlich gab (zumindest bei uns…). Zudem eröffnen die jungen Kräuter eine riesige Geschmacksvielfalt. Wußtet Ihr eigentlich schon, dass die meisten unserer Nahrungsmittel, die wir im Supermarkt kaufen können und so normalerweise zu uns nehmen, von ganzen siebzehn (17!) Pflanzen abstammen? Während wir, als wir noch als Jäger und Sammler durch die Botanik gestreift sind, im Jahr fünfhundert (500!) verschiedene Pflanzen zu uns genommen haben? Ich persönlich esse ja gerne und probiere neue Dinge aus. Und die Vorstellung, dass wir so viel an Geschmack und Neuem verpassen, macht mich irgendwie ein bisschen traurig. Deswegen wird es hier jetzt immer wieder mal ein paar Rezepte mit Wildkräutern geben. Was Ihr beim Sammeln beachten solltet, habe ich ja im vorherigen Post ausführlichst beschrieben

Wir fangen mit ein paar einfachen Pflanzen an und tasten uns immer weiter vor. Einverstanden?

Der Star in den heutigen Rezepten ist die Brennnessel. Sie ist gerade jetzt gut zu finden und versorgen uns mit fast allem, was wir nach dem Winter brauchen. Sie enthält viele Stoffe, die unser Immunsystem unterstützen. Zudem lässt sie sich hervorragend in viele Gerichte einbauen.

Mit der Brennnessel haben die meisten von uns wohl schon so ihre Erfahrungen gemacht. So harmlos und herrlich grün sie auch aussieht, so sehr hat sie es in sich. Ich kenne niemanden, der sich noch nicht an ihr „gebrannt“ hat. Allerdings hat sie ihre Brennhaare, die mit Ameisensäure, Histamin, Acetylcholin und Serotonin gefüllt sind, nicht ohne Grund. Den gerade die frischen Triebe im Frühjahr sind reich an Vitamin C (sie enthalten mit 333 mg/100 g ca. sechs mal so viel Vitamin C wie Orangen – allerdings sind 100 g Brennnessel auch deutlich mühsamer zu Essen als 100 g Orange…) und Vitamin A (mit 400 µg/100 g ca. halb so viel wie Karotten). Zudem enthält sie wertvolle Mineralstoffe wie Magnesium (80 mg/100 g), Calcium (700 mg/100 g, Calciumtabletten zum Einnehmen enthalten zwischen 400 und 1000 mg… da könnte man auch ab und zu mal ein paar Brennnesseln essen…) und auch Eisen (4 mg/100 g, zum Vergleich: Rindfleisch enthält 2 mg/100 g). Daneben enthalten sie sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, die antioxidativ wirken können und wohl auch Einfluß auf die Blutgerinnung und das Herz-Kreislaufsystem haben.

Und: meistens wächst sie fröhlich und unbekümmert in der Nähe der Menschen (sie liebt stickstoffreiche Böden), man könnte schon fast sagen, sie wuchert… Zum Glück gibt es viele tolle Methoden, sie zu verwenden, unter anderem als Brennnesseljauche (Dünger für die Tomaten), Färbemittel für Wolle und Stoffe – und auch Ostereier (gelb und grün, je nach Beize), Haarwuchsmittel (wirkt vor allem bei androgenetischer Alopezia), getrocknet als Tierfutter, als Tee… die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Da die Brennnessel aber auch eine wichtige Futterpflanze für zahlreiche Insekten, unter anderem die Schmetterlinge kleiner Fuchs, Admiral und Tagpfauenauge ist, bitte immer irgendwo ein Eckchen für sie frei halten und nicht alles abpflücken. Und seid Ihr schon mal an einem warmen Tag an einem Brennnesselfeld vorbei gelaufen? Das riecht so gut!

Im Grunde kann die Brennnessel sowohl roh als auch gekocht in alle möglichen Rezepte eingebaut werden. Wenn Ihr sie roh verwenden wollt, solltet Ihr, sofern Ihr nicht auf prickelnde Zungen steht, die frischen Blättchen mit dem Nudelholz überwalzen und kurz unter fließendem Wasser abspülen (nur in Wasser spülen hat nach meiner Erfahrung nicht immer den gewünschten Effekt. Und nur überwalzen sorgt dafür, dass die Brennflüssigkeit an den Blättern haftet und es halt etwas länger dauert, bis es eine Wirkung auf der Haut zeigt.). Kochen ist ebenfalls ein sicherer Weg, die Brennflüssigkeit zu neutralisieren.

Wildkräutersmoothie zum Frühstück

Zutaten

  • 1 Hand voll Brennnesselspitzen
  • 1 Hand voll Salat, z. b. Feldsalat, Portulak…
  • evtl.1/2 Hand voll Haferflocken
  • 1 Orange, geschält
  • 1 Stückchen Ingwer nach Geschmack
  • 1 Kardamonkapsel
  • 1 Dattel ohne Kern
  • 1 Prise Vanille oder Tonka
  • evtl. etwas Flüssigkeit, z. B. Wasserkefir oder Orangensaft
  • 2 – 3 Walnüsse
  • 1 Tl Sesamkörner
  • evtl. etwas Ahornsirup

Die Walnüsse schälen, grob hacken, und zusammen mit den Sesamkörnern in einer Pfanne ohne Fett anrösten, bis sie lecker duften (nicht schwarz werden lassen!), evtl. mit etwas Ahornsirup ablöschen, dann beiseite stellen.

Die Brennnesseln wie oben beschrieben von den Brennhaaren befreien, den Salat waschen, beides zusammen mit den Haferflocken in den Mixer geben. Die Orange schälen, in grobe Stücke schneiden und ebenfalls in den Mixer geben. Den Ingwer waschen, etwas zerkleinern (wer keinen Bioingwer nimmt, muss auch schälen…) und mit der entkernten Dattel ebenfalls in den Mixer geben. Den Kardamon von der Kapsel befreien und je nach Geschmack ein paar Körnchen zusammen mit der Vanille in den Mixer geben. Je nach Mixer ist eventuell noch etwas Flüssigkeit nötig, dann alles gut mixen lassen. In ein Glas geben und mit den gerösteten Walnüssen und Sesamkernen bestreuen und – genießen!

Zum Mittagessen: Ofengemüse, Brennnesselchips und Kräuterdip

Zutaten für das Ofengemüse

Für das Ofengemüse: Was der Kühlschrank her gibt.

  • Karotten
  • Fenchel
  • Rote Bete
  • Zwiebeln
  • Paprika
  • Champignons
  • Olivenöl
  • Salz (ich bevorzuge inzwischen Steinsalz, weil im Meer so viel Plastik schwimmt…)
  • Kräuter nach Geschmack

Den Ofen auf 180 Grad C Umluft vorheizen (es geht auch mit Ober-Unterhitze, dann 200 Grad C. Allerdings wird das Gemüse bei Umluft knackiger…) Das Gemüse waschen, bei Bedarf schälen, in mundgerechte Stücke schneiden. In einer großen Schüssel 2 – 4 El Olivenöl (je nach Gemüsemenge) mit 0,5 – 1 TL Salz und 1 – 2 El Kräuter nach Geschmack vermischen. Gut eignen sich Kräuter der Provence oder Thymian und Rosmarin. Hübsch und lecker ist es, einfach später ganze Rosmarinzweige aufs Gemüse zu legen. Jetzt das Gemüse in die Schüssel geben und gut mit der Würzmischung vermischen. Dann möglichst flach auf ein Backblech verteilen (eventuell zwei Backbleche nehmen) und in den vorgeheizten Ofen schieben (normalerweise heize ich nicht vor, das Gemüse schmeckt aber deutlich intensiver, wenn es in den vorgeheizten Ofen kommt. Funktioniert vermutlich ähnlich wie beim scharf Anbraten von Fleisch…). Dort je nach Gemüsegröße und Ofen zwischen 20 und 45 Minuten backen. Eventuell zwischen durch mal umrühren. Das Gemüse sollte noch Biss haben, wenn Ihr es raus holt, und nicht schwarz sein. Wenn Ihr es noch etwas spezieller mögt, könnt Ihr jede Gemüsesorte extra würzen: Karotten mit Olivenöl, Salz, Kräutern der Provence und Zimt, Zwiebeln mit Olivenöl, Salz und Rosmarin, Champignons mit Olivenöl, Salz, Thymian und geriebener Zitronenschale… Das Gemüse, wenn es fertig ist, entweder in eine große Schale geben oder direkt auf die Teller geben und mit Kräuterquark und den Brennnesselchips garnieren.

Während das Gemüse bäckt, bereitet Ihr die Brennnesselchips und den Kräuterquark zu.

Zutaten für die Brennnesselchips

  • 3 Handvoll Brennnesselblättchen (am besten die Spitzen nehmen, die sind zarter als die unteren Blätter – und vermutlich auch weniger nitratreich…)
  • 1 EL Olivenöl
  • Salz

Die Brennnesselblättchen vorsichtig von den Stielen lösen und waschen. Ihr könnt dazu Handschuhe anziehen oder darauf achten, die Blättchen immer „von innen nach außen“ anzufassen. Die Brennhaare sollen Fraßfeinde abwehren und sind deshalb gegen alles gerichtet, was von außen kommt. Innen ist in dem Fall der Stengel, außen die Blattspitze. Dann die Blättchen trocken tupfen (dabei gehen schon die meisten Brennhaare kaputt). Jetzt das Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Blättchen kurz darin anrösten. Sie sollten cross, aber nicht schwarz werden. Eventuell auf einem Küchentuch abtropfen lassen. Mit etwas Salz bestreuen und in eine Schüssel geben.

Die Brennnesselchips können auch im Ofen gemacht werden (Brennnesselblättchen waschen, abzupfen, in Olivenöl und Salz wenden, bei 180 Grad Celsius Umluft auf einem Blech verteilen, und zwischen 5 und 20 Minuten backen, dabei ab und zu wenden, auf einem Küchentuch abtropfen lassen und in eine Schüssel geben) oder im Dörrautomaten (Blättchen waschen, mit Salzlacke bestreichen, auf den Blechen verteilen und bei 40 Grad Celsius 4 bis 8 Stunden dörren…). Ihr könnt die Chips auch vor dem Backen mit verschiedenen Gewürzen würzen (Paprika-Chilli, Thymian-Zitrone….), Eurer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Die Chips eignen sich übrigens auch hervorragend als Knabberei für zwischendurch…

Zutaten für den Alltime – favorite – Kräuterdip

Ich verrate Euch hier mein Kräuterdip – Grundrezept. Ihr könnt es dann je nach Anlass mit den passenden Kräutern abwandeln.

  • 5 EL Jogurt (wichtig ist ungesüßt. Ob Ihr Milch, Sojamilch, Kokos oder selbstgemacht nehmt, ist egal)
  • 1 TL Olivenöl
  • 1 EL Sahne oder Sojasahne
  • 1 – 2 TL Kräutersalz (am besten selbstgemacht…)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 – 5 EL frische Kräuter

Den Jogurt mit Öl, Sahne und Kräutersalz glatt rühren, die Knoblauchzehe schälen, hineinpressen und verrühren (Ihr könnt den Knoblauch auch weg lassen, aber es schmeckt schon richtig gut mit…). Die Kräuter waschen, klein hacken (aber nicht so klein, dass es nur noch Matsch ist. Es sollten schon Stückchen sein…) und unterheben. Aktuell eignen sich Gänseblümchen, Giersch, Gundermann, Spitzwegerich, Schnittlauch, Petersilie, Thymian, Dost…). In ein Schüsselchen geben, mit ein paar Gänseblümchen oder Wiesenschaumkraut dekorieren und genießen.

So, eigentlich wollte ich Euch jetzt noch mein Brennnessellasagne-Rezept verraten, aber ich glaube, das schreibe ich ein anderes Mal auf, es ist doch etwas aufwendiger. Statt dessen gibt es jetzt:

Zum Abendessen: Brennnesselsüppchen

Zutaten

Brennnesselsuppe

  • 150 g Brennnesselspitzen
  • 300 ml Wasser
  • 3 EL Olivenöl (Butter oder Ghee oder Kokosfett geht auch)
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 große Knoblauchzehe
  • 1-2 TL Mehl
  • Salz
  • Muskatnuss
  • Pfeffer
  • Cayennepfeffer

Brotcroutons

  • 2 Brotscheiben
  • 1- 2 EL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe
  • Salz

Jogurtcreme

  • 4 EL Jogurt (Soja, Milch, Kokos…egal was, nur eben ungesüßt!)
  • 1 – 2 TL Zitronensaft
  • Kräutersalz

Schneidet das Brot in kleine Würfelchen, erhitzt das Olivenöl in einer ausreichend großen Pfanne und presst den Knoblauch dazu. Jetzt die Brotwürfel dazu geben, gut umrühren und die Brotwürfel mit dem Knoblauch bei kleiner Hitze goldbraun rösten. Regelmäßig umrühren und nicht anbrennen lassen. Wenn das Brot fertig geröstet ist, vom Herd nehmen.

Die Brennnesseln gut waschen und abtropfen lassen. Die Zwiebel und den Knoblauch für die Suppe in kleine Würfel schneiden. In einem großen Topf das Olivenöl erhitzen und Zwiebel und Knoblauch darin glasig dünsten. Jetzt das Mehl darüber stäuben und gut verrühren. Die Brennnesseln in den Topf geben und wie Spinat unter Rühren zusammen fallen lassen. Jetzt das Wasser dazu geben, mit Salz, Muskatnuss, Pfeffer und Cayennepfeffer und für ca. 15 Minuten simmern lassen. Die Suppe fein pürieren und noch mal abschmecken.

Für den Jogurt einfach alle Zutaten miteinander vermischen. Ihr könnt stattdessen auch Créme fraîche nehmen. Oder Frischkäse.

Jetzt gebt Ihr die Suppe in die Teller, setzt einen Klecks Jogurt in die Mitte und bestreut es mit den Brotcroutons. Wer mag, dekoriert noch mit frischen essbaren Blüten oder Kräutern…

Guten Appetit, erzählt mir gerne, wie es Euch schmeckt und habt den schönsten Tag

Herzensgrüße

Nicole

Quellenangaben

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