Wildkräuter sammeln

Vermutlich Werbung, weil ein paar Bücher empfohlen werden… (ich bekomme aber keine Provision – warum eigentlich nicht? und natürlich könnt Ihr auch über den lokalen Buchhändler Eures Vertrauens bestellen…)

Jetzt geht es wieder los. Draußen grünt und wächst alles, oft über Nacht und oft schneller, als man gucken kann. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich würde dann am Liebsten immer einfach in das Grün rein beißen. Gerade nach dem Winter, wenn es eher Kartoffeln, Rüben, ab und zu mal Kraut aber vor allem Wurzeln gab, will ich jetzt leckerstes und frisches Grün essen. Es ist allerdings schon gut, wenn man sich ein kleines bisschen auskennt, denn neben den Kräutern, die uns jetzt gut tun, wachsen auch ein paar wenige, die uns schaden können, oder sogar giftig sind. Dabei können Euch gute Bestimmungsbücher helfen, es ist auch sinnvoll, sich etwas mehr mit Kräutern zu beschäftigen. Ich habe Euch unten ein paar Bücher, die ich gerne mag, verlinkt. Und auch in Eurer Nähe gibt es bestimmt jemanden, der Kräuterkurse gibt oder Kräuterwanderungen durchführt (ok, zugegebenermaßen ist das jetzt gerade etwas ungünstig, aber halt so für die Zukunft…). Es gibt inzwischen auch Online-Kräuterkurse. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halte, einfach weil ich finde, dass man Kräuter riechen, schmecken und in ihrer natürlichen Umgebung kennen lernen muss, um sie wirklich sicher zu kennen… Etwas, was ich persönlich auch noch wichtig finde, ist, der Natur nicht zu schaden, wenn Ihr Kräuter sammelt. Geht verantwortungsbewußt mit Eurem Wissen um. Ein paar „Richtlinien“, auf die Ihr achten solltet, wenn Ihr jetzt dann mit mir los zieht und Eure Körbe füllt, sind folgende:

  • Sammelt nur das, was Ihr sicher bestimmen könnt. Wenn Ihr es nicht sicher bestimmen könnt, lasst es entweder stehen, bestimmt es vor Ort mit einem Bestimmungsbuch/einer Bestimmungsapp oder nehmt es mit (getrennt von den anderen) und bestimmt es Zuhause. Wenn Ihr dann immer noch nicht sicher seid: auf den Kompost damit.
  • Einige Pflanzen haben giftige Doppelgänger. Beschäftigt Euch mit ihnen, bis Ihr sie sicher auseinander halten könnt.
  • Gesammelt wird nichts, was unter Naturschutz steht. Auch im Naturschutzgebiet ist sammeln nicht erlaubt (viele geschützte Pflanzen können im Garten oder auf dem Balkon gezogen werden – und verbreiten sich vielleicht von da aus weiter…)
  • Sammelt nur so viel, wie Ihr auch braucht und verwenden könnt. Häufig sammelt man am Anfang zu viel. Das meiste könnt Ihr in gut sortierten Kräutergeschäften oder Apotheken nachbestellen. Übrigens ist es gesetzlich so geregelt (zumindest hier in Deutschland), dass man, außer aus Naturschutzgebieten oder von geschützten Arten, eine geringe Menge zum Eigenbedarf mitnehmen darf. Im Normalfall ist das die Menge, die zwischen Daumen und Mittelfinger gehalten werden kann. (BNatSchG §39, Absatz 3). Natürlich solltet Ihr nicht auf Privatgrund sammeln, oder nur dann, wenn Ihr die Erlaubnis dazu habt.
  • Achtet darauf, den Bestand zu schonen, sammelt also nicht alles, was an einer Stelle wächst (ich verwende die Methode „hier ein Blättchen, da ein Blättchen“)
  • Sammelt so, dass die übrig bleibende Pflanze gut weiter wachsen kann (also zum Beispiel bei Fichtenwipfeln nur ein paar Seitentriebe und nicht vorne am Ast – und niemals die Spitze!)
  • Achtet darauf, dass die Pflanze gesund und einigermaßen sauber ist, wenn Ihr sie mitnehmt. Sie sollte keine Fraßstellen haben.
  • Für die meisten Pflanzen gilt: der späte Vormittag an einem schönen Tag ist der beste Sammelzeitpunkt. Dann ist der Tau schon getrocknet und die Pflanze noch nicht zu ausgetrocknet. Allerdings kommt es hier sehr auf die Pflanze an. Manche haben vor Sonnenaufgang am meisten ätherisches Öl, andere brauchen die Mittagsglut, um ätherisches Öl zu entwickeln…
  • Am Besten sammelt Ihr die Pflanzen in einen offenen Korb, in ein Geschirrtuch oder in eine Stofftasche. Plastik ist nur bedingt geeignet, da die Pflanzen in Plastik nicht atmen können, schnell zu „schwitzen“ anfangen und dann evtl. schon schimmlig oder mit vielen Bakterien bei Euch Zuhause ankommen (sieht man ja nicht gleich…)
  • Kräuter sollten möglichst bald verarbeitet werden, egal, ob Ihr sie zum Trocknen auslegen oder eine Tinktur, einen Tee, ein Öl oder einen Salat damit machen wollt. Zur Not halten es die meisten einen Tag im Kühlschrank oder in einer Vase aus…
  • Sammelt nicht neben Straßen und bei Hundeauslaufstellen (gestern war ich an einer Stelle im Wald, wo wohl häufig Wohnmobile parken. Echt jetzt, Leute? Ihr habt doch ein Klo da drin! Und wenn schon, vergrabt es wenigstens…). Ebenfalls zu meiden sind gedüngte und gespritzte Flächen. Ihr solltet zu solchen Flächen etwas Abstand (100 m mindestens) halten, da sich die Stoffe im Boden und auch durch Wind weiterverbreiten können
  • Macht Euch mit der Pflanze vertraut, die Ihr sammeln wollt. Wie verändert sie sich im Jahresverlauf? Sieht sie unterschiedlich aus, wenn sie älter wird? Gibt es Orte, an denen sie gut wächst? Gibt es einen idealen Sammelzeitpunkt? Gibt es Zeitpunkte, an denen man sie nicht mehr sammeln soll? Und vor allem: was davon soll gesammelt werden? (Bei Pilzen können ein paar hundert Kilometer Entfernung darüber entscheiden, ob sie giftig oder lecker sind, bei manchen Pflanzen ist ein Teil eine Delikatesse, ein anderer ungenießbar bis gesundheitsschädlich…).
  • Ich persönlich bedanke mich bei der Pflanze, wenn ich sie sammle. Ich weiß nicht, ob sie mich hören kann, aber es weckt Dankbarkeit in mir dafür, dass ich so ein reiches Leben führen darf. Und das macht mir wiederum gute Laune… Wenn ich Wurzeln ausgrabe, lasse ich etwas zurück, meist einen Samen, im Idealfall einen der Pflanze, deren Wurzel ich grabe, und verschließe das Loch dann wieder.

So, jetzt noch zu den Büchern, die ich ganz gut finde, um Pflanzen zu bestimmen oder etwas darüber zu lernen:

Ein Buch, dass ich fast immer dabei habe, wenn ich in der Natur unterwegs bin (so schaut es auch inzwischen aus…) – auch wenn es relativ schwer ist:

Was blüht denn da? von Marianne Golte-Bechtle und Margot und Roland Spohn

Ein Buch, dass hervorragend die Unterschiede zwischen tollen Pflanzen und ihren giftigen Doppelgängern aufzeigt:

Essbare Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger von Eva-Maria Dreyer

Oder auch:

Heilpflanzen und ihre giftigen Doppelgänger von Ursula Stumpf und Wolfgang Lang

Zum Schmökern, Lesen und Nachschlagen finde ich folgende Bücher schön:

Wenn Ihr etwas mehr Muße und auch Erfahrung habt, könnt Ihr Euch an Wilhelm Pelikan (Heilpflanzenkunde I – III), Hildegard von Bingen (Physica, Causae et Curae), Dioskurides (Materia Medica) oder auch Adamus Lonicerus (Kräuterbuch) wagen. Gerade bei sehr alten Büchern ist es immer sinnvoll, zu überprüfen, ob die Pflanzen auch dieselben sind, die wir darunter heute verstehen und ob die Dosierung halbwegs sein kann…

Ich wünsche Euch den allerschönsten Samstag, bald geht es hier dann mit den ersten Rezepten weiter.

Herzensgrüße

Nicole

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