Stayhome: Wie wir jetzt unser Immunsystem unterstützen können, Teil I

Ich werde ja gerade öfter gefragt, was jetzt hilft, unser Immunsystem zu stärken und welche Kräuter speziell gegen das Sars-CoV-2 helfen. Die zweite Frage kann ich nicht beantworten. Dieses Virus ist einfach noch nicht lange genug bekannt und es gibt noch keine Studien dazu (in China wurde neben der Schulmedizin bei einigen Patienten auch die traditionelle chinesische Medizin angewandt, um Covid-19 zu behandeln. Erste Studien scheinen hier ein verbessertes Outcome zu zeigen. Da ich aber keinerlei Erfahrung in der Anwendung von Forsythie und ähnlichen Pflanzen habe, und der Einnahme oft eine sehr spezielle Vorbereitung und Zubereitung voraus geht, rate ich ganz eindeutig davon ab, diese Rezepte im Selbstversuch zu testen! Zumal einige der verwendeten Pflanzen mehr oder weniger giftig sind. Wenn Ihr es ausprobieren wollt, sucht Euch einen guten und anerkannten TCM-Therapeuten.)

Zur ersten Frage, nämlich, was unser Immunsystem stärkt, und dazu gehören auch einige Kräuter, kann ich ganz allgemein gerne etwas schreiben. Auch wenn Ihr das Meiste vielleicht schon wißt und es Euch inzwischen fast langweilig vorkommt (Merke: wer ein Wundermittel für alles anbietet, hilft meist nur einem: seinem eigenen Geldbeutel;-). Hier ist erst mal Teil 1, alles auf einmal würde zu lang werden. Vielleicht ist ja hier schon etwas dabei, was Ihr ganz leicht für Euch umsetzen könnt…

Gute Laune

Unsere Laune hat nachgewiesenermaßen einen Effekt auf die Arbeit unserer Immunzellen: wenn wir gut gelaunt sind, können sie besser arbeiten und Bakterien und Viren vernichten. Es gilt also, (negativen) Stress zu vermeiden, uns zu entspannen und die Laune gut zu halten. Tatsächlich ist es so, dass eine Stunde ein lustiges Video schauen (→ Lachen) die Effizienz der NK-Zellen (natürliche-Killer-Zellen, erkennen abnormale Zellen wie Tumorzellen oder virusinfizierte Zellen und töten sie ab) für 12 Stunden deutlich erhöht. Müsst Ihr jetzt zwei mal am Tag für eine Stunde lustige Katzenvideos schauen? Nein, ich glaube, es ist genau so gut, mit den Menschen, mit denen man zusammen wohnt, oder die man aktuell treffen darf (zur Not auch über Videotelefonie) zu lachen und sich ansonsten einfach gute Laune zu machen indem man zum Beispiel zu fröhlicher Musik tanzt. (Wenn Ihr Gute-Laune-Ideen habt, schreibt sie gerne unten in die Kommentare – das wird dann ein Gute-Laune-Sammel-Post!). Übrigens gehört dazu auch, nicht stündlich die Nachrichten zu lesen. Und haltet Euch von diesen ganzen Foren (Facebook soll da ja so ein Sammelbecken sein…) fern, die irgendwelche abstrusen Verschwörungstheorien verbreiten oder das Wundermittel gefunden haben, das ist alles nämlich ganz schlecht für Euer Immunsystem! Ach ja, was dagegen ebenfalls die Immunantwort verbessert (zumindest bei Mäusen): in einer gesunden, anregenden und schönen Umgebung zu wohnen. Also, falls Ihr schon immer renovieren, umräumen oder ausräumen wolltet, macht das am besten jetzt gleich, es ist gut für Euer Immunsystem (- Schatz, ich muss die Küche renovieren, das ist gut für unser Immunsystem…) Übrigens ist gut – oder auch schlecht – gelaunt sein auch eine Art Gewohnheit. Und Gewohnheiten kann man ändern.

Entspannung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Entspannung. Zur Entspannung sind nicht unbedingt die Durchführung von Yogaübungen oder Meditation nötig. Es gibt viele verschiedene Wege, sich zu entspannen. Der eine macht Yoga, die andere baut an ihrer Modeleisenbahn… Tut, was immer Euch gut tut und tut es regelmäßig (solange es niemandem schadet). Wichtig ist, dass Ihr den Alltag dabei vergessen könnt und in eine Art Flow kommt. Viele von uns sind so eingespannt in den Alltag – Job, Haushalt, Familie, Hobbies – dass wir im Normalfall nur in einem längeren Urlaub zur Ruhe kommen. Wir wachen schon morgens mit einer ellenlangen to-do-Liste und Terminstress auf. Unser Körper stellt sich mit der Zeit darauf ein. Unser Puls und auch unser Blutdruck sind permanent erhöht, weil wir ständig unter Spannung stehen. Irgendwann wird das so normal für uns, dass wir es gar nicht mehr bemerken… Dabei sorgt Entspannung für die Verbesserung einer Menge unangenehmer oder sogar krank machender Zustände wie zum Beispiel Kopfschmerzen, koronarer Herzkrankheit (das nicht allein im Selbstversuch behandeln, bitte! Und ich schrieb da auch nur „Verbesserung“, nicht „Heilung“), chronische Schmerzen. Und zudem unterstützt Entspannung auch unser Immunsystem!

Zu Entspannung zählt auch Körperkontakt. Mäuse, die täglich eine Stunde gestreichelt wurden, hatten eine deutlich bessere Immunantwort als die Mäuse, die nicht gestreichelt wurden. Der Körperkontakt zeigt uns, dass wir sicher sind, dass wir zusammen gehören, wir können uns also gut entspannen. Das heißt für uns, nehmen wir uns in den Arm, kraulen wir unsere Kinder, Partner und Meerschweinchen… und akzeptieren wir auch, wenn sie das mal nicht wollen…

Bewegung

Keiner wird bezweifeln, das Bewegung an sich gut für uns ist. Angepasste Bewegung verbessert in den meisten Fällen Depressionen und auch chronische Schmerzen. Allerdings ist es auch so, dass nach einer sehr fordernden Sporteinheit das Immunsystem unseres Körpers erst mal zwischen 12 und 72 Stunden nicht so gut funktionieren kann wie normal und wir ausgerechnet dann anfälliger für Atemwegsinfekte sein können. Und das wollten wir ja gerade vermeiden. Also bleiben wir jetzt auf dem Sofa sitzen? Die spontane Antwort darauf ist natürlich nein. Der Trick ist, die Bewegung an uns anzupassen. Also an unser Alter, unser Geschlecht (ja, tatsächlich!) unsere Fitness… Probiert aus, was Euch gut tut und überfordert Euch nicht. Wenn Ihr Euch bis jetzt eher wenig bis gar nicht bewegt habt, ist es nicht besonders sinnvoll, gleich mit der Halbmarathondistanz (und einer guten Zeit) anfangen zu wollen. Startet Eurer Fitness entsprechend. Auch ein täglicher Spaziergang ist erst mal Bewegung, und ein bisschen Dehnen schadet nicht. Und je länger wir das regelmäßig machen, um so fitter werden wir und unser Immunsystem. Irgendwann klappt es dann auch mit dem Halbmarathon. Übrigens sorgt regelmäßige Bewegung auch dafür, dass wir emotional ausgeglichener und glücklicher werden.

Den Körper – und uns – fordern

Schon im alten Rom wurden sie angewendet, und Kneipp wußte es auch: kalte Wasseranwendungen sind, richtig gemacht, gut für uns. Ob jeder von uns später mehrere Stunden in Eiswasser sitzend aushalten kann wie Wim Hof, und ob das überhaupt nötig ist – ich glaube nicht. Sicher ist aber, dass Hydrotherapie mit kaltem Wasser (nicht Eiswasser!) unser Immunsystem anregt. Die Anzahl vieler Immunzellen wird erhöht, ebenso wie ihre Aktivität. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, sich da erst mal langsam ran zu tasten, Ihr könnt mit Armgüssen anfangen oder Tautreten. Allerdings solltet Ihr (Herz-)gesund sein, wenn Ihr die Kaltwasserübungen anwendet. Falls Ihr Euch vorerst nicht zu so etwas überwinden könnt, ist auch schon ein Spaziergang bei jedem Wetter (außer bei den leider immer häufiger werdenden Stürmen) eine gute Übung fürs Immunsystem. Unser Körper ist dafür gemacht, auch mal mit unangenehmen Temperaturen, Regen und Schnee zurecht zu kommen. Er hält schon ein bisschen was aus, und das wird umso besser, je mehr wir es trainieren.

Shinrin Yoku

Shinrin Yoku – oder auf deutsch auch Waldbaden – vereint einige der oben genannten Methoden und kombiniert sie mit der Natur. Wir bewegen uns, gerne bei fast jedem Wetter außer Sturm, an der frischen Luft und entspannen dabei. Das hat, wie zu erwarten, positive Effekte auf unser Immunsystem, unter anderem werden die Nk-Zellen wieder aktiver und mehr. Zudem verbessert es unsere Stimmung und vermindert Schmerzen.

Dabei ist es sinnvoll, sich sich mindestens zwei Stunden Zeit zu nehmen, gerne auch länger (die positiven Effekte dauern wohl erst nach 120 Minuten Waldbaden länger an). Auch geht es nicht darum, durch den Wald zu marschieren, um hinterher „Waldbaden“ im Terminkalender abhaken zu können und gleich noch die nächsten drei Tage geplant zu haben. Waldbaden geht langsam. Man schlendert durch den Wald, langsam (ca. 3 km in zwei Stunden). Und man konzentriert sich auf seine Sinne. Zwischendurch bleibt man stehen, um einen Käfer beim Laufen oder einfach eine Blume beim Blühen zu beobachten. Man atmet. Ein und aus. Und ist mit den Gedanken wirklich bei dem, was man gerade tut. Man setzt sich ins Moos. Und sitzt da einfach. Ohne das Handy zu checken oder ein schwieriges Gespräch zum dritten Mal im eigenen Kopf zu führen. Das ist nicht einfach, wenn man es nicht geübt hat. Aber es verbessert das Immunsystem für ca. 1 Woche. Ein mal Waldbaden pro Woche ist also ausreichend, mehr schadet vermutlich nicht.

So, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihr schon länger macht, oder was Ihr gerne ausprobieren wollt. Schreibt mir gerne, wie es Euch damit geht. Und noch etwas: alle diese Methoden hier sind für gesunde Menschen gedacht. Sie können auch positive Effekte auf vorerkrankte Personen haben, allerdings ist das je nach Erkrankung und auch Person unterschiedlich. Falls Ihr also eine chronische oder schwere Erkrankung habt, sprecht mit Eurem Hausarzt darüber, bevor Ihr es ausprobiert.

Habt den allerschönsten Sonntag

Herzensgrüße

Nicole

PS: Teil II ist auch schon halb fertig, es sollte also nicht zu lange dauern, bis Ihr etwas über Kräuter und ganz allgemein Ernährung und ihre Auswirkung auf unser Immunsystem lesen könnt…

Quellenangaben:

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