Meerrettich, die Wunderwurzel, Teil 2

So, jetzt kommt der spannende Teil zum Meerrettich. Ihr habt hier einiges zur Geschichte, der Pflanze selbst, ihren Inhaltsstoffen und der medizinischen Verwendung lesen können, die große Frage wurde aber noch nicht beantwortet: Wie denn? Wie kann ich all das Tolle nutzen, das diese Pflanze bietet? Einfach abbeißen? Nur Geduld, dazu kommen wir jetzt:

Galenik

Als Erstes etwas Wichtiges: Meerrettich ist keine Kinderpflanze. Die enthaltenen Inhaltsstoffe sind für zarte Kinderhaut zu ätzend und auch essen werden die meisten Kinder ihn aufgrund des scharfen Geschmacks nicht wollen. Es gibt allerdings auch ein paar Zubereitungsarten, die bei Kindern vorsichtig probiert werden können. Außerdem wichtig: das Ausprobieren der hier vorgestellten Verwendungsmöglichkeiten erfolgt auf eigene Gefahr und Verantwortung (Siehe auch hier oder hier). Bei ausbleibender zügiger Besserung, Nebenwirkungen oder Andauern der Beschwerden sollte auf jeden Fall ein Arzt kontaktiert werden.

Vom Meerrettich wird vor allem die Wurzel medizinisch verwendet. Ich ernte sie zu Heilzwecken im Herbst, sobald sie das Laub einzieht, bis in den Februar (wenn der Boden es erlaubt). Dann ist der Gehalt an Senfölen und Vitamin C am höchsten. Die Wurzel bewahre ich von Erde gesäubert im dunklen, frostfreien Keller auf, am besten in einer mit Sand gefüllten Kiste. Es ist auch möglich, die Wurzel zu säubern und dann in längeren Stücken (ca. 5 cm) einzufrieren. So erhält sich die Wirksamkeit und die Wurzel kann auch gefroren gut gerieben werden. Ihre Wirkung ist am stärksten, wenn sie gesäubert, frisch gerieben und gleich gegessen wird. Nach einiger Zeit verflüchtigen sich die Senföle. Da die frische Wurzel pur recht scharf ist, gibt es eine Menge Zubereitungsarten für frischen Meerrettich, die bekannteste ist wohl der Sahnemeerrettich als Beilage zu geräuchertem Fisch, Tafelspitz oder auch Gemüse (siehe auch Verwendung in der Küche).

Für die äußere Anwendung säubere ich die Wurzel zuerst, dann reibe ich sie und gebe die geriebene Wurzel auf ein sauberes Tuch. Dieses falte ich so um den Abrieb, dass auf einer Seite nur eine Lage des Tuches vor dem Meerrettich ist (er aber trotzdem fest eingeschlossen ist und nirgendwo raus quellen kann). Mit dieser Seite kommt der Meerrettich dann auf die zu behandelnde Stelle. Hierbei ist zu beachten, dass die im Meerrettich vorhandenen Senföle wirklich scharf und ätzend sind. Die Haut muss vor der Behandlung intakt sein, nicht auf offene Stellen aufbringen! Die Kompresse sollte beim Auftreten von Brennen und Schmerzen zügig entfernt werden, bei der ersten Anwendung genügen normalerweise 2 – 5 Minuten (dann den Meerrettich abnehmen, auch wenn es noch nicht brennt!). Danach sollte die Haut mit einem sanften Pflegeöl oder einer Creme, z. B. selbst gemachter Ringelblumensalbe, eingerieben werden. Die Auflage wird 1 x tgl. wiederholt, maximal für 2 – 3 Wochen. Auch bei guter Verträglichkeit sollte die Kompresse keinesfalls länger als 15 Minuten auf der Haut belassen werden. Nach der Anwendung kann es sein, dass es noch ein wenig nachbrennt. Im Normalfall werden die Haut und das darunter liegende Gewebe dann besser durchblutet. Zudem kommt ein Wirkmechanismus ähnlich wie bei Capsaicin zum Tragen. Bei sehr empfindlicher Haut sollte diese Anwendung nicht erfolgen (Merke: Kinder haben meist noch eine dünnere Haut als Erwachsene, folglich ist sie auch deutlich empfindlicher! Hier rate ich von einer Anwendung ab) Bei Nichtbeachtung können schmerzhafte Blasen und Rötungen wie bei einer Verbrennung entstehen, deren Behandlung dann unter Umständen langwierig ist. Diese Art der Anwendung eignet sich vor allem bei Muskelschmerzen, auch bei Rheuma wäre es einen Versuch wert.

Eine Tinktur stelle ich her, indem ich frische gesäuberte Meerrettichwurzel reibe, ein Schraubglas zu einem Drittel damit fülle und mit 54%igem Rum übergieße. Dies lasse ich dann für 28 Tage kühl und dunkel stehen. Ein Mal täglich schüttle ich das Glas ordentlich, so dass es nicht schimmeln kann. Nach 28 Tage seihe ich die Tinktur durch ein Mulltuch ab und gebe die aufgefangene Flüssigkeit in eine dunkle Tropfflasche, welche ich kühl und dunkel aufbewahre. Gut Beschriften mit Inhalt und Datum nicht vergessen! Davon können bis zu 3 x tgl. 20 Tropfen in einem Glas Wasser oder Tee eingenommen werden. Die Tinktur eignet sich hervorragend, um beginnende oder manifeste Erkältungen zu bekämpfen. Auch unterstützend zur Blasenentzündung läßt sie sich einsetzen, dann zusätzlich noch viel Nierentee trinken.

Aus den dünneren Wurzeln des Meerrettichs läßt sich gut ein Tee herstellen. Ca. 5 cm der Wurzel werden gesäubert, in dünne Scheiben geschnitten und mit ca. 200 ml kochendem Wasser übergossen. Für 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Der Tee hat einen erdigen, leicht süßlichen Geschmack. Scharf ist er eher nicht, da die meisten Senföle sich verflüchtigt haben. Diese Art der Zubereitung kann auch für Kinder genutzt werden, die Wirksamkeit ist hier allerdings auch deutlich geringer.

Meerrettich läßt sich auch in Wasser abdestillieren. Das Hydrolat kann für Kompressen genutzt werden. Da die Senföle allerdings sehr konzentriert vorliegen, muss das Hydrolat vor Aufbringen auf die Haut verdünnt und anfangs sehr kurze Einwirkzeiten eingehalten werden. Am besten an einer unempfindlicheren Stelle ausprobieren. Falls man mit dem Hydrolat gurgeln will, sollte es ebenfalls stark verdünnt werden. Um die Wirkung bei Halsschmerzen zu unterstützen kann man ein z. B. paar Tropfen in Salbeitee oder Salzwasser zum Gurgeln geben.

Die Meerrettichwurzel kann auch gepresst werden. Der Frischpflanzensaft lässt sich dann wie die frisch geriebene Wurzel anwenden.

Im Handel ist ein fettes Senföl zu erwerben, welches aus Meerrettich, Kapuzinerkresse und Senf gewonnen wird. Dieses ist ebenfalls zur äußerlichen Anwendung bei Muskelschmerzen geeignet. Gegessen werden sollte es nicht, da es Stoffe enthält, die das Herz schädigen können.

Spezielle Rezepte

Meerrettichfußbad bei Erkältungen

Eine Schüssel, in der beide Füße bis zu den Waden im Wasser stehen können, mit warmem Wasser (35-45 Grad) füllen. Anfänglich zwei Esslöffel frisch geriebenen Meerrettich dazu geben, evtl. in einem kleinen Teebeutel, dann die Füße für höchsten 5 – 10 Minuten darin baden (Wer mag, gibt noch 3 – 4 Tropfen ätherisches Lavendelöl dazu). Kinder sollten frühestens ab vier Jahren mit höchstens einem Esslöffel geriebenen Meerrettichs beginnen. Gerade bei zarter Kinderhaut lieber mit noch niedrigerer Dosierung beginnen und auch die Zeit eher unterschreiten. Dann die Dosis an den folgenden Tagen langsam bis zu 5 Esslöffel steigern. Ideal ist es, wenn die Haut der Füße nach dem Fußbad leicht gerötet und durchwärmt ist. Das Fußbad ist ein mal täglich bei Erkältungen anzuwenden, am besten Abends. Durch die aufsteigenden ätherischen Senföle macht es zudem verstopfte Nasen frei und erleichtert das Einschlafen. Wenn gerade kein frischer Meerrettich zur Verfügung steht, kann dieses Fußbad auch mit Senfmehl aus der Apotheke durchgeführt werden. Dann darauf achten, dass es frisch gemahlen ist. Diabetiker sollten diese Art der Therapie nicht anwenden, da das Gefühl in den Füßen durch die Erkrankung beeinträchtigt sein kann und sie dann evtl. Warnsignale wie Brennen nicht spüren. Da die Sensorik in den Füßen eingeschränkt sein kann, kann es zu Verätzungen und Verbrühungen der Haut kommen, die durch die diabetische Stoffwechsellage zudem noch schlechter heilen. Ebenso sollten Personen mit Gefühlsstörungen (z. B. durch Nervenschäden, Bandscheibenvorfällen oder Alkoholmissbrauch) auf die Anwendung verzichten.

Meerrettich-Hustenhonig

Ca. 100 g Meerrettichwurzel fein reiben, mit 300 g Honig (Waldhonig eignet sich gut, da er meist recht flüssig ist) vermischen und über Nacht zugedeckt ziehen lassen. Am nächsten Tag entweder in ein Schraubglas umfüllen (und bei Anwendung den Meerrettich mitessen) oder den Honig leicht erwärmen (er wird dann flüssiger – aber nicht zu sehr, damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben), abseihen und dann in ein Schraubglas füllen. Dunkel und kühl aufbewahren. Bei Husten und Erkältungen 1/2 – 1 Teelöffel in Tee gelöst trinken. Wer mag, kann ihn auch pur essen, das macht die Nasennebenhöhlen auf jeden Fall frei.

Meerrettich in der Küche

Rote-Beete-Meerrettichsuppe

  • ca. 500 g frische rote Bete
  • ca. 150 g Kartoffel
  • etwas Sellerie
  • etwas Karotte (oder statt Sellerie und Karotte etwas Gemüsebrühe)
  • Pfeffer
  • 1 – 2 Lorbeerblätter
  • 1 – 3 EL Weißwein- oder Apfelessig
  • Meerrettich
  • Brotreste (für geröstete Brotwürfel)
  • Salz
  • etwas Olivenöl

Den Sellerie, die Karotte und die rote Bete gut säubern, bei Bedarf schälen und in Würfel von ca. 0,5 – 1 cm Kantenlänge schneiden. Die Kartoffel schälen und ebenfalls in Würfel derselben Größe schneiden. In wenig Olivenöl in einem großen Topf leicht anbraten, dann mit ca. 800 ml Wasser aufgießen. Das Lorbeerblatt dazugeben, mit etwas Pfeffer und Salz würzen und mit geschlossenem Deckel köcheln lassen, bis das Gemüse weich und die Kartoffeln gar sind (das dauert je nach Würfelgröße zwischen 20 und 40 Minuten). Die Würfel sollten nicht zerfallen. In der Zwischenzeit das Brot in Würfel schneiden und in einer Pfanne mit ein wenig Olivenöl und Salz anrösten. Wenn das Gemüse der Suppe fertig ist, die Suppe mit etwas Essig, Salz und geriebenem Meerrettich abschmecken (jetzt sollte die Suppe nicht mehr kochen, da der Meerrettich sonst seine Schärfe verliert), auf die Teller verteilen, mit den Brotwürfeln dekorieren und sofort servieren. Wer mag, gibt auch noch einen Klecks Schmand oder saure Sahne dazu.

Meerrettich-Apfel

  • 500 g Äpfel
  • 100 g Meerrettich
  • 70 g Weißwein- oder Apfelessig
  • 50 g Zucker (Rohrohrzucker)
  • 1 gestrichener Teelöffel Salz

Die Äpfel schälen (die Schale kann gut in Smoothies verwendet werden – oder getrocknet für Apfelschalentee…), das Kerngehäuse entfernen und in kleine Würfel schneiden oder grob reiben. Mit dem Zucker und dem Meerrettich vermischen und für 1 – 2 Stunden stehen lassen. Es sollte etwas Flüssigkeit austreten. Danach in einen Topf geben, den Essig zugeben und bei mittlerer Temperatur ca. 20 – 30 Minuten köcheln lassen. Ab und zu umrühren, dass es nicht anbrennt. Die Äpfel sollten danach weich sein. In der Zwischenzeit den Meerrettich säubern und fein reiben. Den Topf vom Herd nehmen, mit dem Meerrettich gut vermischen und noch heiß in kleine Gläser füllen. Sofort gut verschließen und auskühlen lassen. Beschriften nicht vergessen. Diese würzige Alternative zum Sahnemeerrettich paßt gut zu geräuchertem Fisch und Fleisch, aber auch ebensogut als Würze zu Gemüse.

Im Sommer verwende ich die großen Blätter des Meerrettichs frisch gewaschen um Gemüse auf dem Grill zu braten. Auch Fleisch oder Fisch ist möglich. Dazu schneide ich das Gemüse klein und würze es, wickle es dann in ein Meerrettichblatt ein und verschließe dieses sicher mit Klettenlabkraut (einfach drum herum wickeln, es hält wie ein Klettverschluss – dessen Vorbild es war…). Dann lege ich es auf den Grill (auf den Rost, nicht direkt in die Glut). Es funktioniert bei jeder Art von Feuer, das Gemüse schmeckt lecker und ich vermeide Alufolie. Das Blatt kann auch mitgegessen werden (nicht das Klettenlabkraut…), allerdings ist es meistens trocken und angekohlt und schmeckt nicht gut. Aber es kann hervorragend kompostiert werden.

Übrigens, die grünen Triebspitzen, die Ihr auf den Bildern sehen könnt, machen sich auch hervorragend in Smoothies. Kein Grund, irgend etwas wegzuwerfen…

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Ausprobieren, erzählt mir gerne, wie es bei Euch gewirkt hat oder ob es Euch geschmeckt hat (je nachdem). Habt ein entspanntes Wochenende und schöne Festtage.

Herzliche Grüße

Nicole

Quellenangaben:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Senf%C3%B6l
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Senf%C3%B6lglycoside
  • Adamus Lonicerus, Kräuterbuch 1679, Nachdruck 1962 Verlag Konrad Kölbl
  • Hildegard von Bingen, Physica, Neu übersetzt von Prof. Dr. Dr. Ortrun Riha, Beuroner Kunstverlag, 2. Auflage 2016
  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Das Beste Reader´s Digest, 2. Auflage 1980
  • Markus Sommer, Heilpflanzen, Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus (Aethera), Stuttgart, 2011
  • Ursel Bühring, Alles über Heilpflanzen, Ulmer Verlag, Stuttgart 2015
  • Andrea Heistinger/Arche Noah, Das große Biogarten-Buch, Ulmer Verlag/ Löwenzahn in der Studienverlag Ges.m.b.H, 2013
  • Wilhelm Pelikan Heilpflanzenkunde I, Verlag am Goetheanum, 2012

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