Wir sind dran

Bestimmt auch wieder Werbung, sorry 🙄, aber garantiert unbezahlt und aus eigener unerschöpflicher Begeisterung heraus entstanden…

Das Wochenende naht so langsam, und zumindest bei uns soll es Samstag ein bisschen regnerisch und grau werden. Also ein perfekter Tag, um sich mit einem guten Buch und einem leckeren Tee vor den Schwedenofen aufs Sofa zu legen. Oder auch in eine warme Decke zu kuscheln, falls gerade kein Schwedenofen zur Hand ist. FĂŒr den Fall, dass Ihr jetzt nicht wissen solltet, welches Buch Ihr lesen könntet, hĂ€tte ich da einen Tip fĂŒr Euch:

„Wir sind dran“ ist das neue, 2017 im GĂŒtersloher Verlagshaus erschienene Buch des Club of Rome. Ich denke, die meisten von Euch haben schon vom Club of Rome gehört. „Er ist,“ laut der Webseite des ursprĂŒnglichen Clubs, „ein Zusammenschluss von Individuen, welche eine gemeinsame Besorgnis um die Zukunft der Menschheit teilen und danach streben, einen Unterschied zu machen.“ Die höchstens 100 Mitglieder sind allesamt namhafte Wissenschaftler/innen, Ökonomen/innen, GeschĂ€ftsfrauen und GeschĂ€ftsmĂ€nner aus aller Welt. Sie versuchen, die wichtigsten zukĂŒnftigen Probleme der Menschheit frĂŒhzeitig zu identifizieren und auch LösungsvorschlĂ€ge anzubieten, die ganzheitlich, interdisziplinĂ€r und langfristig sind. Und dann das Ganze ins Bewusstsein zu rĂŒcken und darĂŒber diskutieren zu lassen. Also eine feine Sache.

Der Club of Rome wurde 1968 gegrĂŒndet, und inzwischen gibt es nicht nur den ursprĂŒnglichen Club, sondern auch nationale Clubs und dazugehörige Think Tanks, die immer wieder Berichte ĂŒber die jetzige Lage bringen. Die aktuellen Ziele sind ziemlich ambitioniert, aber nichts desto trotz meiner Meinung nach sehr unterstĂŒtzenswert. Sie wollen 1. die Funktionsweise und die Ziele unseres Wirtschaftssystems verĂ€ndern. 2. den Ressourcenverbrauch von der Wohlstandsentwicklung entkoppeln (im Sinne von weniger Ressourcen verbrauchen und mehr Wohlstand haben, aktuell ist es noch umgekehrt). Und außerdem 3. Lebensgrundlage, ArbeitsplĂ€tze und Einkommen (vermutlich der Menschheit) sichern.

Zudem hat die deutsche Sektion ein Netzwerk an Schulen gegrĂŒndet, um schon Kindern beizubringen, global und ĂŒber die Grenzen hinweg nachhaltig zu denken und dann auch lokal so zu handeln. Kennt Ihr „Die Gute SchokoladeÂź“? Das ist eine Fair-Trade-Schokolade, die in SupermĂ€rkten erhĂ€ltlich und jetzt gerade Testsieger bei Stiftung WarentestÂź geworden ist. Beim Erwerb von fĂŒnf Tafeln wird ein Baum gepflanzt. Sie ist Teil der Initiative „Plant-for-the-planet“, welche von Felix Finkbeiner gegrĂŒndet wurde, als er gerade in der vierten Klasse war. Felix Finkbeiner ist der Sohn von Frithjof Finkbeiner, einem Mitglied des deutschen Club of Rome. Kinder gehen oft ohne die ganzen EinschrĂ€nkungen an Dinge heran, die wir Erwachsenen so mit uns tragen. Und daraus können manchmal Erfolgsgeschichten entstehen. Frei nach dem Motto: „Und dann kam einer, der wußte es nicht besser und hat es einfach gemacht.“ Auf der Webseite könnt Ihr ĂŒbrigens sehen, wieviele BĂ€ume schon durch den Verkauf der Schokolade gepflanzt wurden.

Ich habe die bisherigen Berichte des Club of Rome nicht gelesen, also kann ich keinen Vergleich ziehen, aber dieses Buch mag ich wirklich. Es ist angenehm geschrieben, gut zu lesen, und lĂ€ĂŸt einen trotz des ernsten Themas hoffnungsvoll und voller Tatendrang zurĂŒck. Und das, obwohl ich noch gar nicht fertig bin und der positive Teil erst noch kommt. 

Gegliedert ist es in drei Teile. Der erste Teil behandelt den Ist-Zustand der Welt. Hier wird vor allem der Unterschied zwischen der „leeren Welt“, in der unser Wirtschaftsystem und Wirtschaftsdenken entstanden ist, und der „vollen Welt“, in der wir jetzt leben, deutlich gemacht. Es geht nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um Bevölkerungswachstum, neuartige und evtl. auch gefĂ€hrliche Technologien, alte, sicher gefĂ€hrliche Technologien und einiges mehr. Im zweiten Teil wird eine Art neue AufklĂ€rung beworben. Hier wird gezeigt, warum wir jetzt sind, wo wir sind und was im globalen ökonomischen Denken aktuell noch ausgeklammert wird, obwohl es hineingehört. Der dritte Teil, den ich erst noch lesen darf, zeigt, wo diese Erkenntnisse schon umgesetzt sind, wie sie funktionieren und ob sie sich von der Region, in der sie praktiziert werden, auf die Welt ĂŒbertragen lassen. Das hört sich jetzt alles recht kompliziert an, ist aber wirklich sehr verstĂ€ndlich geschrieben. Was mir so gut an diesem Buch gefĂ€llt, ist (neben dem positiven Grundtenor) dass all die Argumente enthalten sind, die ich in Diskussionen mit mehr marktwirtschaftlich orientierten Mitmenschen zwar gespĂŒrt, aber mangels Kenntnis des Systems nicht in ernst zu nehmende Worte kleiden konnte. Mit BegrĂŒndung. Und noch viele mehr. Beim Lesen dachte ich relativ hĂ€ufig „ja genau. Genau das habe ich damals gemeint“.  

Ich könnte Euch jetzt noch stundenlang weiter erzĂ€hlen, aber – lest das Buch doch einfach selber. Vielleicht genießt Ihr dazu ein leckeres StĂŒck Schokolade…Und erzĂ€hlt mir dann, was Ihr davon haltet…

Das Buch hat 394 Seiten, die auf klimaneutralem FSC-Mix-Papier (Umweltschutzpapier wĂ€re besser, aber gut…) gedruckt sind. Ihr bekommt es in Eurer örtlichen BĂŒcherei, eventuell ĂŒber Fernleihe (in Memmingen ist es gerade ausgeliehen, sorry;-), gebraucht ĂŒber die einschlĂ€gigen Quellen oder auch beim lokalen BuchhĂ€ndler Eures Vertrauens. 

HerzensgrĂŒĂŸe

Nicole

PS: Entschuldigt die aktuelle FotoqualitĂ€t (auch die im letzten Post), es sieht so aus, als wĂŒrde meine Kamera nicht mehr richtig tun. 20 Jahre und dann so was. Ist das zu fassen?

Quellen:

2 thoughts

  1. In den 70er/80er Jahren gab es etliche BĂŒcher mit Weltuntergangsstimmung, sei es durch den chemischen Mitteleinsatz mit DDT oder Rohstoffverknappungen wie bei Erdöl. Der Club of Rome war da teilweise auch dabei. Diese Extreme trafen nicht wirklich ein, aus verschiedenen GrĂŒnden. Die Natur ist einfach zĂ€her oder vielseitiger wie seinerzeit vermutet, GottseiDank. Trotzdem ist das „Was ist ĂŒbermorgen“ absolut wichtig fĂŒr Zukunftsentscheidungen jeder Art. Hier leistet der Club of Rome nach wie vor Basisarbeit, finde ich. Ich habe das aktuelle Buch noch nicht gelesen (kommt noch), mir scheint nach der Beschreibung hier das Horrorscenario frĂŒherer Auflagen nicht so extrem mehr vorhanden zu sein. Damit kann auch Ottonormalverbraucher das Buch vermutlich ohne AlptrĂ€ume lesen :-))

    GefÀllt 1 Person

    1. Guten Morgen,
      da hast Du recht, das Vorausdenken in alle Richtungen finde ich auch ziemlich wichtig. Und gleichzeitig finde ich auch wichtig, eine positive und motivierende Sprache zu wĂ€hlen, auch fĂŒr unangenehme Dinge. Weil zu großes SchĂŒren der Ängste oft dazu fĂŒhrt, dass man sich gar nicht mehr mit dem Thema beschĂ€ftigen mag…Und damit wird ja dann das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich bewirken wollte. AlptrĂ€ume macht das Buch nicht. Zum Nachdenken bringt es zumindest mich schon. Wobei ich auch glaube, dass damals, in den 70er/80er Jahren das Thema Umweltschutz und -Zerstörung zum ersten mal so richtig bewußt in den Fokus gerĂŒckt wurde, gerade auch als Antwort auf den expandierenden Kapitalismus und die vielen technischen VerĂ€nderungen. Und deswegen vielleicht viele das GefĂŒhl hatten, sie mĂŒĂŸten jetzt mal ordentlich Klartext reden. Aber da mag ich mich auch irren. Hab einen wundervollen Tag.
      Liebe GrĂŒĂŸe
      Nicole

      GefÀllt mir

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