Zwetschgenliebe

Werbung, zwar keine Markennennung, der geneigte Leser/die geneigte Leserin wird aber vermutlich trotzdem wissen, um was es sich handelt…

Jetzt kommt der Herbst ja doch mit großen Schritten, morgens bedeckt schon leichter Reif die Gräser, Blätter und letzten Blüten, und die Sonne kämpft sich durch den Morgennebel und verbreitet dabei ein unglaubliches warmes goldenes Licht. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal verstanden, was mit goldener Oktober gemeint ist. Wir genießen hier jeden Tag und verbringen so viel Zeit draussen wie nur möglich. Gleichzeitig gibt der Garten aber noch mal alles und überschüttet uns mit einer Fülle an Obst und auch Mangold (wir hatten unglaublich viel Mangold dieses Jahr. Das Goldkind, welches sonst eigentlich alles isst, weigert sich inzwischen standhaft, Gerichte mit Mangold auch nur zu probieren…).

Pflaumen 1 bearbeitet

In unserem Garten steht neben vielen Apfelbäumen, einem Kirschbaum, einem Mirabellenbaum und vielen Beerensträuchern auch ein alter Zwetschgenbaum. Dieser Baum ist ziemlich hoch, und er trägt in manchen Jahren gar nichts – und falls doch, sind bestimmt schon Würmer schneller gewesen. Dieses Jahr aber hat er uns geradezu überschüttet mit Zwetschgen. Es sind so viele gewesen, dass wir eine Menge verschenkt haben und immer noch nicht alle aufessen konnten (und das, obwohl der beste Ehemann von allen sich in der Zwetschgensaison nur von Zwetschgen ernähren könnte…). Es gab Zwetschgenkuchen (oder auf deutsch auch Zwetschgendatschi…), Zwetschgenknödel, getrocknete Zwetschgen und Zwetschgenfruchtleder. Aber vor allem gab es Zwetschgenmus. Ich bin ja ein großer Fan einer bekannten Pflaumenmusfirma aus der Nähe von Köln, aber erstens haben wir meist selbst genug Marmelade und kaufen nur sehr selten welche zu, und zweitens mag ich nicht, dass dieses (zugegebenermaßen sehr leckere Pflaumenmus) in Plastik und Alu verpackt ist und auch noch Zucker drin ist.

Die Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica) ist eine Unterart der Pflaume (Prunus domestica) und somit verwandt mit Mirabellen, Renekloden (auch: Ringlotte oder Reineclaude…), echten Pflaumen, Spilling, Ziparte und Kriechen-Pflaumen. Sie ist ein Steinobst und gehört (wie der Apfel übrigens auch, welcher aber ein Kernobst ist) zur Familie der Rosengewächse. Die Ursprünge unserer Zwetschge liegen weit in der Vergangenheit zwischen Altaigebirge und Kaukasus. Vermutlich ist sie durch eine Kreuzung aus Schlehe und Kirschpflaume entstanden und wurde dann von Alexander dem Großen (356 – 323 v. Ch.) auf einem seiner weitreichenden Feldzüge entdeckt und Richtung Griechenland mitgenommen – gut, vielleicht auch nicht direkt von Alexander selbst, sondern von einem seiner Mitstreiter…Dort entdeckten sie dann die Römer und brachten sie um 100 vor Christus über die Alpen. Eine andere Quelle berichtet auch von Kreuzrittern, die die Pflaume auf ihren Feldzügen entdeckt und nach Europa gebracht haben. Egal wie, jetzt ist sie da.

Plaumen 10 bearbeitetPflaumen 13 bearbeitetPflaumen 9 bearbeitet

Die Pflaume zeichnet sich durch eine gesunde und wohltuende Mischung an Vitaminen und Spurenelementen aus. So enthält sie neben Kalium (160 mg auf 100 g), Calzium (20 mg auf 100 g), Eisen (0,3 mg auf 100 g) und Zink (0,1 mg auf 100 g) auch Beta-Carotin (0,365 mg auf 100 g), Vitamin E (0,8 mg auf 100 g), Folsäure (0,2 mg auf 100 g), Vitamin C (5 mg auf 100 g), und die Vitamine B1 (0,07 mg auf 100 g), B2 (0,06 mg auf 100 g) und B6 (0,04 mg auf 100 g). Zudem enthalten Pflaumen viel Wasser, Pektin und Zellulose (diese  Stoffe wirken zum einen verdauungsfördernd, nur falls jemand von Euch – also…äh,  nicht zu viele auf einmal essen, und Pektin macht die Verwendung von Gelierzucker eigentlich überflüssig) und jede Menge Fruchtzucker (in getrockneten Pflaumen sind es ca. 25 %, das heißt man kann beim Einkochen auch auf den Zucker verzichten…). Das bedeutet, sie sind gesunde Lieferanten für schnelle Energie. Das enthaltene Calcium wirkt positiv auf den Knochenstoffwechsel, die B-Vitamine stärken unser Nervenkostüm, und Zink und Vitamin C wirken vorbeugend gegen Erkältungen.

Zudem enthalten sie vor allem in der Schale noch den blauen Farbstoff Anthocyan. Dieser ist in Pflanzen dafür verantwortlich, die Frucht vor den kurzwelligen UV-Strahlen der Sonne zu schützen, indem er diese in Wärme umwandelt und ins Innere der Pflanze leitet. So wird eine DNA-Schädigung durch UV-Bestrahlung verhindert. Zudem soll er freie Radikale im Pflanzensaft binden, die durch oxidativen Stress entstehen. Zu guter Letzt soll er Insekten und andere Tiere anlocken um bei der Vermehrung der Pflanze zu helfen (in dieser Funktion findet er sich auch in Blüten oder z.B. Brombeeren). Während der letzte Punkt für uns ja eher uninteressant ist, finde ich die Punkte eins und zwei recht spannend. Leider ist es so, dass die Bioverfügbarkeit bei oraler Aufnahme im menschlichen Körper nur bei ca. 1% liegt und noch dazu von Mensch zu Mensch verschieden ist. Trotzdem wirkt das Anthocyan auch in unserem Körper antioxidativ, bindet freie Radikale und schützt somit unsere DNA, Lipide und Kohlehydrate vor Schädigung. Das heißt, Zwetschgen sind eine Anti-Aging-Frucht. (Im Laborversuch übertreffen Anthocyane noch Vitamin C und E, aber wie gesagt, wir bekommen nicht so viel in unsere Körper, ohne die Verdauung zu stark anzuregen…). Da Anthocyan auch noch verjüngend auf die Gefäße wirkt und Ablagerungen vorbeugt, soll es auch positiv auf den Blutdruck und vorbeugend vor Herzinfarkt wirken. Zudem sollen Anthocyane noch die Sehkraft stärken. Da sie auch eine gewisse entzündungshemmende Wirkung haben, wird ihnen auch nachgesagt, lindernd bei Rheuma oder Gicht zu wirken.

Pflaumen 7 bearbeitetPflaumen 2 bearbeitetPflaumen 8 bearbeitet

Was liegt also näher, als diese Superfrucht selbst zu superleckerem, und noch dazu gesundem Pflaumenmus zu verarbeiten? So habe ich es gemacht:

2 kg Pflaumen (es kocht ziemlich ein, deswegen so viel, sonst lohnt es sich fast nicht) entsteinen und in einen großen Topf geben. Etwas Wasser zugeben (der Boden sollte ca. 1 cm hoch bedeckt sein, damit nicht alles anbrennt), außerdem 1-2 Zimtstangen, 4 – 5 Nelken, einen Sternanis und eine Prise Muskatnuss. Den Deckel auf den Topf geben und kurz bei hoher Temperatur zum Kochen bringen, dann den Deckel abnehmen und lange bei niedriger Temperatur köcheln. Dabei immer wieder umrühren. Die Zwetschgen fallen in sich zusammen und werden weich, das Wasser verdampft langsam, und am Ende bleibt leckerstes Zwetschgenmus übrig (wenn es tatsächlich droht, anzubrennen, könnt Ihr noch etwas Wasser zugeben, aber im Normalfall geben die Zwetschgen genug ab). Stilechter wäre es natürlich in einem Kupferkessel über offenem Feuer, aber man kann ja nicht alles haben. Jetzt bleibt nur noch, die Zimtstangen, den Sternanis und die Nelken wieder rauszufischen und erst mal einen leckeren Kokosmilchreis mit warmem Zwetschgenmus zu genießen.

Pflaumen 6 bearbeitetPflaumen 5Pflaumen 12 bearbeitet

Wenn dann noch etwas übrig ist, wird es in heiß ausgespülte Gläser mit Schraubverschluss gefüllt, dabei ca. 3 cm unter dem Rand frei lassen. Das Glas mit dem  Deckel (am besten Sicherheitsdeckel mit Klick…) gut schließen, die Gläser im nicht vorgeheizten Backofen auf ein hohes Blech geben, das Blech ca. 2-3 cm hoch mit Wasser auffüllen und bei 175 Grad Celsius drin lassen, bis der Inhalt der Gläser kocht (ich warte dann immer noch eine Viertel Stunde länger ab, zur Sicherheit…). Danach den Ofen ausschalten und die Gläser erst im Ofen und auf dem Wasserblech (ca. 45 Minuten), dann außerhalb des Ofens kalt werden lassen. Jetzt habt Ihr sterilisiertes (oder auch eingemachtes) Zwetschgenmus. Wer hat, darf natürlich auch den Weck-Einkochtopf verwenden.

Theoretisch sollten jetzt alle Keime im Glas erledigt sein. Das ist bei dieser Zubereitung wichtig, weil ja kein extra Zucker und auch keine Zitronensäure zur Konservierung dran ist.  Zwar enthalten die Zwetschgen auch Fruchtzucker und Säure, aber das ist wahrscheinlich nicht langzeitausreichend. So zubereitet, sollten sich die Gläser schon ein Jahr halten. Falls sich der Deckel wölbt, oder beim Öffnen des Pflaumenmuses Luft entweicht (oder Euch der Inhalt schon entgegenkommt), dann esst es auf keinen Fall mehr. Das etwas Kritische am Einmachen ist nicht der Schimmel, den man ja meist recht gut sehen kann (auch den Schimmel nicht essen!), sondern das Bakterium Clostridium Botulinum. Aber über das berichte ich Euch ein anderes Mal. Wenn Ihr sorgfältig und sauber arbeitet, vor allem, wenn Ihr das Pflaumenmus nicht gleich aufesst, sondern auch aufbewahren (oder verschenken) wollt, sollte das bei den meisten Obstsorten kein Problem sein.

Herzensgrüße

Nicole

PS: die restlichen Japangeschichten stehen auch noch aus, ich weiß. Die kommen noch, so nach und nach…

Pflaumen 11 bearbeitet

Quellen:

2 thoughts

  1. Hallo Nicole,
    ich hätte noch einen Tipp fürs Zwetschgenmus von einer lieben professionellen Hausfrau.
    Sie stellt das Mus in den Bachofen (Topf ohne Deckel),klemmt einen Kochlöffel in die Backofentür und läßt das Mus sechs bis acht Stunden im Ofen bei 100 °C schmoren.
    Es brennt garantiert nicht an!
    Habe es ausprobiert.
    Deine Seite ist super schön geworden.
    Herzlichen Glückwunsch.
    Liebe Grüße
    Roswitha

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Roswitha,
      schön, von Dir zu hören! Bist Du noch gut nach Hause gekommen? Ich habe tatsächlich erst noch mal ein paar Minuten durch den schönen Allgäuer Sonnenuntergang wandern müssen, um meine Gedanken zu ordnen. Es war wieder so viel an Information:-)
      Die Idee mit dem Backofen ist auch sehr gut, ich bilde mir ein, dass auch schon mal wo gelesen zu haben. Falls unser Zwetschgenbaum nächstes Jahr wieder trägt, werde ich es ausprobieren. Und vielen Dank, es freut mich sehr, wenn es Dir gefällt.
      Ganz liebe Grüße zurück
      Nicole

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.