Kurioses in Kyoto

Werbung da Restaurant- und Unterkunftsnennung

Nara liegt nicht weit entfernt von Kyoto. Mit dem Zug sozusagen ein Katzensprung, auch wenn die Zugstrecke ziemlich ausgelastet ist und wir einfach zu viel Gepäck dabei haben. Das nächste Mal nehme ich nur noch die Zahnbürste mit.

Gepäck bearbeitet

Kyoto war der einzige Ort, den wir in Japan vorgebucht hatten – außer das Flughafenhotel gleich am Anfang. In dieser Woche war eine allgemeine Feiertags- und Festwoche in Japan, und wir sind davon ausgegangen, dass auch die Japaner viel unterwegs sein und deshalb die Zimmer relativ gut gebucht sein würden. Von Deutschland aus war tatsächlich nicht mehr allzu viel zu finden, wenn man preislich nicht ganz nach oben wollte. Preislich ganz nach oben heißt in Japan, für zwei Übernachtungen zu dritt mal locker tausend Euro. Oder auch deutlich mehr. Wir hatten aber Glück und haben die beste Unterkunft zu einem relativ günstigen Preis erhalten. Mit super freundlichen Mitarbeitern. Leckerem Frühstück. Und so zentral gelegen, dass wir nur ein mal ein Taxi und nur drei mal den Bus benutzt haben (zwei mal davon mit Gepäck vom und zum Bahnhof…). Dazu ruhig und sauber, mit den tollsten Badezimmern. Unsere Unterkunft hieß Yoshimizu Inn und liegt direkt im Viertel Higayashiyama in Kyoto, etwas oberhalb des Maruyamacho-Parks, der den Chion-In-Tempel und den Yasaka-, Bigozensha- und Gosha-Schrein beherbergt. Das Ausgehviertel Gion ist in Laufweite, ebenso der Shoren-Tempel. Und die Tauben dort fressen einem aus der Hand. Perfekt, wenn das Kind von Hitze und zu vielen Sehenswürdigkeiten müde ist.

Wir haben zwei Zimmer  im ersten Stock im original japanischen Stil bekommen, die direkt nebeneinander liegen und eine eigene Toilette hatten. Das war perfekt, da die anderen Waschräume im Erdgeschoss lagen. Wir wurden freundlich mit einer Tasse kaltem Oolongtee und Wasser begrüßt, haben dann eine kurze Einführung mit dem Stadtplan in die Sehenswürdigkeiten von Kyoto bekommen und danach eine kleine Hausführung. Das Haus ist etwas ökologisch angehaucht, sie stellen dort eine Art Bioduschgel „für die moderne Familie, die sich auch um die Umwelt sorgt“ (Werbeaufdruck auf der Packung) und trennen, soweit in Japan getrennt wird. Also Plastikflaschen und Zeitungen. Das Frühstück war großartig, eher im europäischen Stil, aber mit Misosuppe. Es gab etwas Obst, neben Tee auch Kaffee, die Misosuppe und, wer wollte, ein Ei in täglich anderen Zubereitungen. Daneben Brot und Marmelade. Am besten war es aber, nach einem anstrengenden Tag mit Sightseeing mit den Worten empfangen zu werden: „Das Bad ist bereit.“ Dann sind wir in den bereitgestellten Hausschuhen nach oben gehuscht, haben unsere vom Haus gestellten Yukatas übergeworfen und sind ins Bad geeilt. Dort erst mal gründlich einschäumen von Kopf bis Fuß, alles gründlich wieder abspülen und ab in die warme Wanne. Eigentlich sollte man meinen, bei 30 Grad Temperatur wäre eher ein Sprung in den kalten Baggersee angesagt, aber so entspannend wie ein warmes Bad ist, glaube ich, nichts anderes. Danach kann das (manchmal herausfordernde) Abendessen kommen. Das Yoshimizu Inn bietet kein Abendessen, aber die sehr netten Angestellten dort haben eine Menge toller Tips auf Lager und organisieren auch ein Taxi.

Yoshumizu Inn bearbeitetZimmer zwei Yosimizu Inn bearbeitetkleines Zimmer Kyoto bearbeitetYoshumizu Inn 3 bearbeitetMinifrosch bearbeitet

Der Ausblick aus den Fenstern ins Grüne ist großartig. Oh, und der obere Teil der Fenster besteht tatsächlich nur aus Papier (bei Regen werden die Holzläden zugeklappt). Abends laufen die Geckos darauf herum und fangen Mücken. Ganz großes Kino, da braucht man keinen Fernseher.

Nach einem ausgiebigen Bad und einem hervorragenden Abendessen im Asuka, einem fußläufig nur 10 Minuten entfernten Restaurant, konnten wir entspannt schlafen.

Am nächsten Morgen ging es nach einem tollen Frühstück gleich nach nebenan in den Chion-In Tempel. Dieser ist sehr weitläufig, und es gibt viel zu sehen. Der Tempel wurde erstmalig 1212 am Ostrand von Kyoto als Begräbnisstätte von Honen, einem Mönch, der eine spezielle Richtung des Buddismus lehrte, errichtet. Er wurde jedoch schnell aus Angst vor den Machthabern der damaligen Zeit verbrannt. (Honen hat sich nicht nur Freunde gemacht und war sogar eine zeitlang im Exil). 1234 wurde der Tempel von einem Schüler Honens an seiner jetzigen Stelle aufgebaut. Er wurde einmal im Onin-Krieg zerstört (1467-1477), danach aber an selber Stelle wieder aufgebaut. 1575 wurde der Chion-In Tempel zum Haupttempel des Jodo-Buddismus, einer bestimmten Richtung des Buddismus, erklärt und erhielt später auch ein großes Einkommen.

Besonders erfurchtgebietend ist das ziemlich große, freistehende Tempeltor, das auch Sammon genannt wird. Es ist das größte Tempeltor Japans, wurde 1621 erbaut und ist ca. 26 m breit und 12 m tief. Es ist schon irgendwie beeindruckend, da durchzugehen. Die große Haupthalle wurde leider gerade renoviert, so dass wir sie nicht besuchen konnten, dafür fanden wir einen wunderschönen Lotusteich mit einem kleinen Tempel. Später kamen wir dann über eine Treppenflucht in die inneren Bereiche der Tempelanlage. Dort kann man sich unter Aufsicht der Mönche im Sutrenschreiben üben. Besonders interessant finde ich, dass es ein Sutrenhaus gibt, in dem eine vollständige Sammlung der Sutren aus der Song Dynastie (960 – 1279, Kaiserreich China) erhalten ist. Erstaunlich, wie alt Schriftrollen sein können… Daneben findet sich hier noch ein Glockenturm mit einer 80 Tonnen schweren Glocke. Wenn diese zum Neujahrsfest geläutet werden soll, werden 17 Mönche benötigt.

Weil der Tempel so groß und weitläufig ist, und zudem noch mehrere Zugangswege hat, waren wir am zweiten Tag gleich noch mal da, und das beste daran, wir haben es erst hinterher gemerkt. Eigentlich wollten wir nämlich den Shoren-In-Tempel besuchen, vor dessen Toren unglaublich alte und große Kampferbäume stehen, und dessen Garten man bei einer Tasse grünen Tees genießen kann. Allerdings gehören auch zum Chion-In-Tempel Gärten, die eine Besichtigung wert sind, vor allem, weil die Gestaltung und das Grün so schön entspannend sind.

Lotus 2 bearbeitetLibelle bearbeitetChion-In-Tempel Tor bearbeitetChion-in Tempel Garten 5 bearbeitetChion-in Tempel Garten 3 bearbeitetLotus 1 bearbeitetChion-in Tempel Garten 9 bearbeitetLotus 3 bearbeitetChion-in Sanmon 7 bearbeitetChion-in Sanmon 2 bearbeitetChion-in Sanmon 3 bearbeitetChion-in Tempel Garten 11 bearbeitetChion-in Tempel Koi Karpfen bearbeitetLotus 2 bearbeitet

Kyoto selbst war nach Nara auch geschichtlich gesehen die richtige Wahl. Es wurde nach Nara Kaiserresidenz (übrigens bedeuten auch die japanischen Schriftzeichen „kaiserliche Residenz“). Dies geschah, ich erwähnte es glaube ich schon mal, um den Einfluß des buddistischen Glaubens auf den Staat zu verringern. Übrigens führte der Zwischenfall mit dem Mönch Dokyo auch dazu, dass Frauen der Kaiserthron verwehrt wurde. Kyoto war Kaiserstadt von 794 – 1868, also bis der Einfluß des Shogun begrenzt wurde. Sie ist nicht nur geschichtlich gesehen eine der wichtigsten Städte Japans, sondern auch kulturell. Sie beherbergt 1600 buddistische Tempel, 400 Shintoschreine, viele Paläste und wunderschöne alte Gärten. Dazu kommen noch das Töpferviertel und das Weberviertel, viele Museen, das alte Vergnügnungsviertel und eine hervorragende Küche. Der eine Tag spontane Verlängerung, den wir in Kyoto eingelegt haben, hat da auch nicht wirklich die Möglichkeit der vollständigen Besichtigung eröffnet. Zumal wir uns aufgrund der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit dem Grundsatz „ein Tempel pro Tag“ verschrieben hatten.

Allerdings fiel unser Besuch dort ja auch auf den Zeitpunkt eines kulturell wichtigen Festes, doch davon erzähle ich nächstes Mal mehr.

Herzliche Grüße

Nicole

inzwischen schon wieder auf der Heimfahrt

Quellen:

Schlange bearbeitet

PS: als wir diese Schlange von ziemlich nah gesehen haben, sagte uns ein Passant, dass sie Glück bringt. Wir sie aber besser trotzdem nicht anfassen sollen;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.