Die Stadt der Hirsche

Nara ist nicht weit entfernt von Kobe und mit dem Zug leicht zu erreichen. Von Kobe nach Osaka scheint sich eine Stadt an die andere zu reihen, der Weg führt nur durch Häuser. Hinter Osaka dann geht es auch etwas über Land, und wir konnten Bambuswälder, Flüsse mit Graureihern und Reisfelder bewundern.

Nara war ab 710 n.C. für 74 Jahre Hauptstadt von Japan. In dieser Zeit wurden wunderschöne und große Tempelanlagen errichtet, die auch heute noch gut erhalten sind. Einige davon gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe (Japan ist insgesamt sehr reich an UNESCO-Weltkulturerbestätten). Besonders interessant für Reisende mit Kindern (wie jetzt zum Beispiel uns) ist allerdings die große Population an Sikahirschen, die den Stadtpark bevölkert und sich gerne füttern und auch streicheln lässt. Der Legende nach erbaute die Adelsfamilie Fujiwara dort einen Schrein für die Ahnenverehrung, den noch heute bestehenden Kasuga-Schrein. Diese Schreine werden für gewöhnlich von Gottheiten geschützt, die im Fall der Familie Fujiwara auf den Sikahirschen herbei ritten. Seit dieser Zeit also dürfen die Sikahirsche in Nara nicht gejagt werden, und mit der Zeit vermehrten sie sich und wurden relativ zahm.

Hirsch 3 bearbeitet

In Nara leben also ca. 300 000 Menschen und 1200 Hirsche gemeinschaftlich zusammen. Die Hirsche ernähren sich eigentlich von Blattknospen und Gras, in Nara allerdings hauptsächlich von für sie gebackenen Hirschkeksen, die auf den Straßen überall zu kaufen sind. Natürlich wissen die Hirsche sehr gut, dass die Menschen Futter für sie haben, und während die einen an Jackenärmeln und Rucksäcken zupfen, verbeugen sich die anderen artig, um einen Keks zu erhalten. Wir haben sogar Hirsche in die Läden gehen sehen, wo immer ein Eimer Wasser für sie bereit steht. Im Grunde ist es ein bisschen so wie auf dem Affenberg am Bodensee: Am besten hat man höchstens einen Keks in der Hand und hält den Rucksack geschlossen, weil sonst hinterher irgendetwas fehlt.

Hirsch zwische Laternen bearbeitetLibelle bearbeitetHirsch Rehkopf bearbeitet

Natürlich haben wir nicht nur die Hirsche gestreichelt, sondern uns auch ein bisschen die Stadt angeschaut. Unser persönliches Highlight war das Chugen-Mantoro-Matsuri, die Zeremonie der beleuchteten Laternen, welches zufällig an dem Abend, an dem wir nach Nara kamen, stattfand. In der ganzen Innenstadt waren Laternen mit Kerzen darin aufgestellt, es gab viele Essenstände und auch die Hirsche waren überall. Wir haben auch eine Laterne angezündet, was wohl Glück bringen soll. So ganz verstehen wir die japanischen Erklärungen ja doch nicht, und am Ende bricht sich das dann immer auf ein oder zwei englische Worte runter.

Lichterfest Nara 3 bearbeitetLichterfest Nara 1 bearbeitetLichterfest Nara 2 bearbeitet

Am nächsten Tag schauten wir uns den Todaiji-Tempel an, der mit seinem ca. 15 m hohen und 450 Tonnen schweren Buddha in einem sehr großen Holztempel doch äußerst beeindruckend ist. Auch das Eingangstor ist äußerst beeindruckend. Im Tempel selbst gibt es eine Säule, in der unten ein Durchgang in der Größe des Nasenlochs des Buddhas ist. Wer hier durch paßt, dem ist im nächsten Leben die Erleuchtung sicher. Das Goldkind ist damit auf der sicheren Seite. Also im nächsten Leben. Ich fand es für mich dann doch etwas eng. Aber ich bin ja auch ganz gerne hier.

Todaji-Tempel 1 bearbeitetTodaiji-Tempel großer Buddha 2 bearbeitetTodaiji-Tempel 4 bearbeitet

Danach hatten wir noch Kraft für den Kasuga Taisha Schrein. Dieser ist ein äußerst beeindruckender Shintoschrein, welcher sich mit seinem Rot wunderschön vom Waldgrün abhebt. In ihm und auf den Wegen zu ihm (die durch einen schönen Wald mit – jetzt ratet mal: vielen Hirschen – führen) finden sich sehr viele Steinlaternen und hängende Laternen, welche von den Gläubigen über die Jahrhunderte gespendet wurden. Das sieht einfach wunderschön aus. Natürlich haben wir auch ausgiebig Hirsche gestreichelt und gefüttert. Zum Abschluß dieses wunderbaren Tages kamen wir durch Zufall im alten Viertel der Stadt in ein traditionelles japanisches Restaurant, in welchem wir auf Tatamimatten sitzen konnten und ein Bentoessen bekamen. Es war super lecker.

Steinlaternen 1 bearbeitetSteinlaternen 3 bearbeitetSteinlaternen Shintotempel 2 bearbeitetHirsch Steinlaternen bearbeitetHängelaternen 1 bearbeitetGeishas bearbeitetAlter Kampherbaum 3 bearbeitetAlter Kampherbaum 4 bearbeitetHängelaternen 2 bearbeitetShintotempel Steinlaternen bearbeitetBentoboxessen 2 bearbeitet

Am nächsten Tag schauten wir uns noch die goldene Halle des Kofukuji-Tempels und die Pagode an. Auch die waren einen Besuch wert, allerdings war es an diesem Tag so schwül-warm, dass wir es nicht richtig zu schätzen wussten und froh waren, wieder im klimatisierten Hotel zu sein. Auf dem Rückweg kamen wir in einen traditionellen japanischen Süßigkeitenladen (Klimaanlage!), in dem wir ein nach Neuseeland emigriertes japanisches Paar trafen, welches uns eine Süßigkeit spendierte und uns auf einen Bohnentee einlud. Auch wenn es sich nicht so anhört, es war ziemlich lecker.

Kofukuji Pagode bearbeitetKofukuji Räuchergefäß bearbeitetKofukuji 2 bearbeitetKofukuji 1 bearbeitetKofukuji Geisha bearbeitetKasuga-Taisha-Schrein bearbeitet

Am Abend pflegten wir noch eine andere japanische Tradition, den Besuch eines O-Furo. Dies ist ein japanisches Bad, das mit unseren Hallen- und Freizeitbädern aber nicht zu vergleichen ist. Man trägt schon beim Betreten des Bades den Yukata, den traditionellen japanischen Bademantel (und sonst nur noch die Schlappen, die auch vom Hotel gestellt werden, und ein Handtuch – das ist aber in Ordnung, weil selbst in dem besten High-Class-Business-Hotel kommen einem auf dem Flur ständig Menschen in Bademänteln entgegen). Dann verstaut man alles mitgebrachte, also Bademantel, Schlappen und Handtuch in den dafür vorgesehenen Fächern und sucht sich einen freien Hocker und eine Schüssel. Mit den vorhandenen diversen Duschgels, Shampoos, Conditionern und Badehandschuhen wird sich dann gründlich eingeseift. Wenn man den Schaum nicht zentimeterdick auf der gesamten Haut und in den Haaren hat, gilt es nicht. Der Schaum wird dann gründlich wieder abgespült. Erstaunlicherweise fühlt sich hier die Haut nicht ausgetrocknet an, auch wenn man sich zwei mal täglich einseift… Und danach darf man dann ins heiße Bad. Das ist ein mehr oder weniger großes Becken, meist mit Blick auf einen schönen Garten. Und dort wird dann eingeweicht und entspannt. So lange man es aushält. Wenn man fertig ist, wird sich hinterher noch mal abgeduscht, vorzugsweise kalt, dann abtrocknen und eincremen, wenn Creme vorhanden ist. Ich bin auch Zuhause ein großer Duschfan, aber so porentief rein wie hier habe ich mich selten gefühlt…ich werde mal mit dem besten Ehemann von allen über einen Umbau reden müssen…Danach geht es zum Abendessen. Den Yukata darf man dazu auch gerne anlassen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter zu noch mehr UNESCO-Weltkulturerbestätten – und anderen zahmen Tieren….

Herzensgrüße

Nicole

Wasserspeier bearbeitet_bearbeitet-1

Quellen:

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